Spiritualität als Ressource ­­einer Gesundheits­industrie

Omar Ibrahim, 25. Juni 2026
Neue Wege 4.26

Die Bedürfnisse nach Sinn, Achtsamkeit und Verbundenheit sind längst in die Marktlogik des Spätkapitalismus integriert. Immer mehr werden spirituelle Praktiken und Lebensformen zum Geschäftsmodell für Einzelpersonen und ganze Institutionen im Gesundheitsbereich. Eine kritische Beobachtung aktueller Entwicklungen.

Spiritueller Untertagebau

Yoga-Retreats in Sri Lanka, Meditation und Mindful Jogging in der Toskana, Breathwork in den Schweizer Alpen: Was ehemals spirituelle Praktiken waren, wird nun privat und institutionell auf dem freien Markt angeboten. Damit lässt sich gut  sogar sehr gut  Geld verdienen. Die Suche nach Sinn, Orientierung, Achtsamkeit und Gemeinschaft wurde erfolgreich in den Spätkapitalismus integriert. Auch diese grundlegenden menschlichen Bedürfnisse finden Kundschaft. Spiritualität ist als Trend im Markt längst angekommen. Davon profitieren nicht nur mehr oder minder gut ausgebildete Einzelpersonen, auch ganze Institutionen im Gesundheitsbereich orientieren sich an dieser Marktlogik.

Was heisst es, wenn Spiritualität zur Ressource wird? Die Metapher hat Auswirkungen darauf, was unter Spiritualität verstanden wird und wie man mit Spiritualität umgeht. Spiritualität als Ressource wird so zur Ware. Sie wird zu etwas, das auf dem Markt gegen andere Güter (beispielsweise Geld) eingetauscht werden kann und hat daher einen merkantilen Preis. Und: Sie dient letztlich der Selbstoptimierung. Wenn Spiritualität einen Wert hat, trägt sie nämlich zur Wertsteigerung der eigenen Persönlichkeit bei. Daher lohnt es sich, dieser Ressourcenmetapher auf den Grund zu gehen. Es zeigt sich, wie das Verständnis von Spiritualität als Ressource entsteht und wie damit in der Gesellschaft umgegangen und gehandelt wird. Ein Verständnis dieser diskursiven Strukturen kann helfen, sich nicht unkritisch solchen Entwicklungen ausliefern zu lassen.

Spiritualität als Ressource muss irgendwo auffindbar sein. Man muss sie abtragen und verwerten  so die Metapher. Wie im Untertagebau muss man erst nach dem Erz dessen suchen, was mit «Spiritualität» überhaupt gemeint ist. Findet man das Erz, kann man es auch fördern und für den Markt verarbeiten und aufwerten. Es gibt aber keine feste Verankerung und klare Meinung darüber, was Spiritualität genau sei, und viele haben ein sehr individuelles Verständnis davon (vgl. Gäb & Reisinger 2024). Das Verständnis bleibt daher unklar.

Ursprünglich in der französischen katholischen Theologie verortet, wurde dort der Spiritualitätsbegriff als Zeichen besonderer Frömmigkeit angesehen. Durch den anglo-­amerikanischen Diskurs änderte sich die Bedeutung des Begriffs auf ein Verständnis von institutionsferner oder -unabhängiger Religiosität. Von da an wurde der Spiritualitätsbegriff vom Christentum auf alle anderen Lebensformen und Praktiken ausgeweitet. New-Age-Esoterik, grosse Firmen und Influencer haben den Begriff für die jeweils eigene Sache aufgenommen und verwertet. Es wurde also eine Stelle gefunden, an der man nach Spiritualität graben und schürfen kann, und zwar im Dunkel des Untertagebaus aller möglichen Ideologien und Verständnisse. Wenn das Verständnis von Spiritualität an die individuelle Deutungsmacht gebunden ist, kann es auch keine Kontrolle darüber geben, dass diese Deutungsmacht nicht vom Markt infiltriert wird. Was folgt daraus?

Schürfung

Die moderne technologisierte Medizin ist sehr effizient in Bezug darauf, technisch behandelbare Probleme zu lösen. Die Fortschritte dieser Medizin sind überwältigend: Herztransplantationen, Genanalysen, Impfungen, Krebsbestrahlungen und andere hochentwickelte Massnahmen bilden nur die Front aller grossen medizinischen Errungenschaften. Im Schatten dieser Entwicklungen stand stets der Ruf nach mehr Menschlichkeit in gesundheitsmedizinischen Einrichtungen. Der Mensch als Person verschwindet durch all diese Diagnosen, Therapieschritte und Prozessoptimierungen letztlich aus dem Sichtfeld.

Die Krankenpflegerin und Ärztin Cicely Saunders, der Psychotherapeut Carl Rogers und andere haben daher im vergangenen Jahrhundert versucht, die zwischenmenschliche Seite der gesundheitsmedizinischen Tätigkeiten wieder verstärkt zu fördern. Das Ergebnis war unter anderem die Etablierung von Spiritual Care und personenzentrierten Ansätzen. Die Folge: Die wissenschaftliche Empirie bestätigte diese Ansätze  spirituelle Praktiken tun gut. Tiefgründige Gespräche, Bewegungsabläufe, Atemtechniken, Aufmerksamkeitsübungen sind für die Menschen wertvoll und begrüssenswert. Den Menschen geht es tatsächlich besser, sie werden schneller gesund, bleiben länger zufrieden und kooperieren besser in der Institution, wenn mit ihnen auf menschliche Art und Weise umgegangen wird. Anstatt einen Paradigmenwechsel herbeizuführen, wurden besagte Ansätze also von der technologisierten modernen Medizin bereitwillig aufgenommen: Zwischenmenschliche Zuwendung und die Abdeckung spiritueller Bedürfnisse sind gesundheitsfördernd und deshalb auch rentabel.

Diese Entwicklung blieb nicht bei den gesundheitsmedizinischen Institutionen stehen. Auch in der breiten Gesellschaft wurden Praktiken zur Gesundheitsförderung aufgenommen: Stressbewältigung, Resilienzförderung, Burn-out-Prävention und anderes tragen zu einem gesünderen und besseren Leben bei. Auch diese Entwicklungen erweisen sich als rentabel.

Obwohl viele spirituelle Praktiken (wie Meditation, Gebet oder Yoga) ursprünglich selbstzweckhafte Tätigkeiten waren, lassen sie sich auch für andere Zwecke instrumentalisieren. Was einst ganze Lebensformen waren, sind heute kleine Zeiteinheiten nach dem Arbeitstag. Zen-buddhistische Meditation dient dann nicht mehr der Auslöschung des Selbst (anattman), sondern hilft zur Entspannung, um am nächsten Tag wieder besser und effizienter arbeiten zu können. Gebete werden nicht mehr als Ausdruck des eigenen Glaubens verstanden, sondern werden in Workshops feilgeboten, da sie ein Gefühl von spezieller Zugehörigkeit vermitteln  natürlich durch einen Aufpreis an die Veranstaltungsorganisation.

Etwas dreht sich also: Nun wird Gesundheit zum Selbstzweck an sich. Man ist nicht mehr gesund, um etwas anderes zu tun, beispielsweise ein gutes Leben zu führen. Vielmehr möchte man einfach gesund sein. Und die spirituellen Praktiken dienen vordergründig nicht nur der Gesundheit, sie sind auch in der Gesellschaft äusserst präsentabel. Wer gesund lebt, einen beneidenswerten Lifestyle pflegt und wirtschaftlich erfolgreich ist, wird zum selbstvermarkteten Prototyp des spätkapitalistischen Subjekts. Mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Gesundheit, mehr Schönheit  und eben auch: mehr spirituelle Tiefe.

Überall lässt sich nach Spiritualität schürfen. Kulturelle Aneignungen und Überformungen sind erlaubt, solange sie sich gut verkaufen lassen. Auch wilde Kombinationen sind möglich. Wenn der Markt den Takt angibt, kann nichts zu exotisch, zu wild oder zu abwegig sein. YinYang-Yoga ist beispielsweise eine solche Praxis, die auf zwei völlig unterschiedlichen Selbst- und Weltbildern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen beruht und hauptsächlich von Menschen in Europa angeboten wird, die sowieso nochmals ganz anders sozialisiert wurden. Das Angebot klingt interessant, mystisch und spirituell. Solche und weitere Angebote lassen sich auf unterschiedliche Weise vermarkten. Dies zeigt sich in der individuellen und institutionellen Verwertung von Spiritualität als kapitalistische Ressource.

Individuelle Verhüttung

Wenn die ehemals selbstzweckhafte Praxis zu einer effizienzorientierten Technik wird, öffnen sich Tür und Tor für alle möglichen Formen von Spiritualität. Zwei Tendenzen lassen sich jedoch feststellen:

Zukunftsorientierte Verhüttung von Spiritualität zielt darauf, bestimmte Ziele zu erreichen, die noch nicht umgesetzt sind oder die es zu erhalten gilt: zum Beispiel Gesundheit, Schönheit, Fitness und Kraft. Wer meditiert, Yoga praktiziert oder Ähnliches, will sich selber besser, gesünder, schöner fühlen. Und teilweise sind diese Ziele auch erreichbar. Es lohnt sich also! Jahrtausendealte Traditionen, unzählige philosophische Strömungen und komplexe Diskurse werden an einzelnen Wochenenden oder in Online-Modulen als Lehre kondensiert und vermittelt. Schnell ist man selbst Profi in dem Gebiet und kann eigene Workshops, Beratungen und Kurse anbieten. Was einmal ein lebenslanger Weg einer bestimmten Lebensform war, wird heute nach ein paar Stunden Übungen zertifiziert und für den Markt ratifiziert und aufbereitet. Vor- und nachher ist auch Platz, um zusätzlich Beauty-Produkte, Markenkleider, Nahrungsergänzungsmittel und andere Handelswaren an den Menschen zu bringen. Denn wer sich in einem Aspekt verbessern will, muss dies bestenfalls überall tun. Oder warum sollte man sich nur um einen Teil der eigenen Gesundheit kümmern? Es lohnt sich also, möglichst alles auf einmal zu optimieren.

Man verbessert sich selbst, um im spätkapitalistischen Leistungssystem noch effizienter zu funktionieren. Das klappt aber nur, wenn diese Form der Selbstausbeutung auch von anderen gesehen und geliked wird. Daher ist es wichtig, auch andere mit ins Boot zu holen. Denn: Wer stehen bleibt, fällt zurück. Schönheit, Gesundheit, Jugend, sexuelles Kapital, wirtschaftlicher Erfolg haben einen Wert in der Gesellschaft. Hingegen sind Alter, Krankheit, Verlust und Leid leider immer allgegenwärtig (weshalb sich einige dieser spirituellen Praktiken überhaupt entwickelt haben); und diese versucht man zu verdrängen, zu überwinden oder zumindest so lange wie möglich hinauszuzögern: Longevity. Ein möglichst langes Leben. Und es fragt sich: Für was?

Die andere Tendenz von individueller spiritueller Verhüttung ist vergangenheitsorientiert. Hier geht es vielmehr um die Bewahrung von Werten oder um reaktionäre Bewegungen. Man will weniger etwas Bestimmtes in der Zukunft erreichen, als zu einem (erfundenen) Ursprung zurückkehren. Es wird dabei von verschiedenen Essenzialismen gesprochen: Naturverbundenheit, Authentizität, Traditionen, Männlichkeit, Weiblichkeit  und teilweise eben auch rechtskonservatives Gedankengut (sogenannte Braune Esoterik). Aus dem Untertagebau der Spiritualität lassen sich alle möglichen Erze gewinnen, egal wie sie ideologisch aufgeladen sind. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn pagane, esoterische und andere Bräuche für rechtsradikale Bewegungen instrumentalisiert werden. Auch hier fragt sich: Für was?

Institutionelle Verhüttung

In gesundheitsmedizinischen Institutionen weiss man ebenfalls, dass Spiritualität ein Verkaufsschlager ist. Spiritualität wird zum Alleinstellungsmerkmal einer Institution oder zu einem Luxusangebot, das neben der üblichen Behandlung und Therapie zusätzlich angeboten wird. Spiritualität als Ressource wird somit zum Marketingprodukt. Vielleicht kann sich dieses Angebot nur eine begünstigte Elite leisten. Nicht alle profitieren von den Produktionsmitteln und nicht alle haben den Zugang zu den Ressourcen. Dabei folgt die Entwicklung genau der Logik der privaten Wirtschaft. Wer mehr bietet, erzielt höhere Gewinne. Auch hier locken Exotik und innovative Startups. Gute Reviews auf der Website einer Institution führen letztlich auch zu mehr Kundschaft.

Die Marktlogik schlägt sich aber nicht nur auf institutioneller Ebene der gesundheitsmedizinischen Einrichtungen nieder. Sie findet auch Einschlag in der spirituellen Praxis der professionellen Care-Tätigen selbst. Spirituelle Assessments bilden Fragenkataloge, die effizient ermitteln, ob Kund*innen oder Patient*innen in der Begegnung zwischenmenschliche und spirituelle respektive religiöse Begleitung erwünschen. Dies wird technisch angeleitet, weil die spirituelle Praxis erst danach verordnet werden kann. Anstatt mit den Personen direkt ins Gespräch zu kommen, wird zuerst ermittelt, wie dies am effizientesten und auf möglichst kostengünstigste Art und Weise geschehen kann. Leider wird auch in Lehrbüchern zu Spiritual Care und Seelsorge die Spiritualität explizit als «Ressource» betitelt. Es geht darum, Aspekte im Menschen möglichst zielgesteuert und lösungsorientiert freizulegen, sodass jene ohne grosse Reibereien auf dem schnellsten Weg zur Genesung kommen  oder ihnen zumindest ein gutes, zufriedenes Sterben ermöglicht wird. Helfen Gebete? Dann beten! Helfen Achtsamkeitsübungen? Dann ist der Fall klar. Ähnlich, wie man einen Menschen auf Herz und Nieren prüft, erkundet man die spirituelle Innenwelt, klopft verschiedene Themen ab und sieht, welche Praktiken am besten anschlagen.

Die Folgen dieser Entwicklungen sind Legion: Spirituelle Übergriffe, Ausschlüsse und Vereinfachungen, zunehmende Beschleunigung von Formen des Miteinanderumgehens und das mögliche Heilsversprechen eines guten Lebens inmitten von Schmerz, Krankheit und Trauer. Es droht Überforderung. Wer von diesen spirituellen Praktiken nicht (unmittelbar) profitieren kann, wird im schlimmsten Fall vom Gefühl des persönlichen Versagens heimgesucht: Man hätte nicht genügend von diesem oder jenem getan. Daher gibt es kein Zuviel einer Ressource. Mehr ist immer besser. Ein solches Verständnis arbeitet dann im schlimmsten Fall gegen das, wofür es in gesundheitsmedizinische Institutionen ursprünglich eingeführt wurde.

Spiritualität, ihre Praktiken und Lebensformen sind an sich freilich nicht zu verwerfen. Sie sind aber auch nicht einfach gutzuheissen. Auch in den hier dargestellten Beispielen ist nicht alles vollumfänglich abzulehnen. Es geht darum, genau hinzuschauen, wie Spiritualität in die Institutionen, in die Curricula der Universitäten und in die Lehrbücher aufgenommen und umgesetzt wird. Daher ist es wichtig, sich zu vergewissern, was «Spiritualität» bedeuten könnte, um zu erkennen, wann der Begriff oder die Inhalte von Praktiken und Lebensformen für andere Zwecke verwendet werden. So lässt sich einer marktorientierten Instrumentalisierung entgegenhalten.

Folgelandschaft

Wer Ressourcen abbaut, verarbeitet und Umschlagplätze für den Absatzmarkt errichtet, hinterlässt unweigerlich eine veränderte Landschaft. Das weiss man beim Bergbau schon lange. Dort sind die Konsequenzen offensichtlich. Und nicht nur das: Die Förderung von Mineralien und anderen Stoffen, die gesamten Eingriffe in die Landschaft haben auch einen Einfluss auf das umliegende Ökosystem. Es sind nicht nur einige wenige davon betroffen, wie mit den Ressourcen umgegangen wird, sondern ein viel grösserer Teil, als man auf den ersten Blick annehmen kann.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Spiritualität. Auch sie hinterlässt eine Folgelandschaft. Und auch sie wirkt sich auf andere Bereiche, Systeme und Diskurse aus und ist nicht auf einzelne Institutionen und Privatpersonen beschränkt. Die Folgen davon sind noch nicht alle abschätzbar, geschweige denn ausreichend erkennbar. Es lassen sich jedenfalls erste negative Auswirkungen festhalten, wie dies in den vorliegenden Überlegungen abrisshaft dargestellt wurde. Ein anderer Ansatz tut not: Anstatt weiter und mehr und mehr zu fördern, zu verhütten und zu vermarkten, geht es darum, zu überlegen, wie mit diesem Verständnis und dieser Handhabung von Spiritualität umzugehen ist. Wie beim Bergbau geht es hier um einen Umgang, der hilft, dass die Folgelandschaft nicht zum Katastrophengebiet wird.

Man blicke noch einmal auf den Ursprung des Spiritualitätsbegriffs zurück: «Spiritualität» übersetzt sich mit dem Geistesbegriff. Dabei verfügt dieser Begriff selbst wiederum über unterschiedliche Bedeutungen. Es lohnt sich, eine Verwendungsform genauer anzusehen: Man kann etwas Bestimmtes im Geiste von etwas tun. Das ist nicht notwendigerweise katholisch zu deuten. Man kann auch im Geiste der Verbundenheit, der Achtsamkeit, der Vernunft, der Liebe und des Mitgefühls Handlungen und Lebensformen praktizieren. Spiritualität ist folglich nicht als Ressource zu verstehen, sondern vielmehr als Medium (vgl. Ibrahim 2025). In der Spiritualität geschehen Dinge und werden Praktiken ausgeführt, wird das Leben gestaltet. Ein Medium lässt sich auch weniger schnell instrumentalisieren, obwohl man auch hier kritisch darauf hinweisen könnte, was für schlimme Dinge alles im Geiste der Liebe oder der Vernunft schon getan wurden. Es scheint daher äusserst wichtig zu sein, sich darüber zu verständigen, welchen Wert dieses Medium ausmacht, welchen Rahmen es bietet. Die Spiritualität muss sich selbst gegenüber kritisch bleiben, oder sie verliert sich.

Das ist nicht einfach, sondern äusserst komplex. Und vielleicht geht es auch gerade darum, sich nicht um einfache Lösungen zu bemühen und simplen Heilsversprechen in der Zukunft oder nostalgischen Ursprüngen der Vergangenheit anheimzufallen. Spiritualität ist für die Gesundheit wichtig. Gesundheit betrifft aber weder nur einzelne Personen, noch ist sie ein für die Marktlogik erschaffenes Gut. Vielleicht muss Spiritualität selbst im Geiste der Spiritualität sich selbst erfassen und überprüfen. Dadurch ergeben sich Anschlüsse für theologische, gesellschaftliche, antikapitalistische, widerständige und kreative Ansätze. Die Reflexion über Spiritualität im Hinblick auf Gesundheit führt letztlich dazu, sich ein wenig weniger regieren zu lassen.

Literatur:

Sebastian Gäb & Doris Reisinger (Hrsg.): Philosophie der Spiritualität. Philosophy of Spirituality. Berlin 2024.

Omar Ibrahim: Spiritual Care Zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Philosophische Perspektiven zum Selbstverständnis einer Disziplin. Stuttgart 2025.

  • Omar Ibrahim,

    *1992, ist Philosoph, Sozialanthro­pologe, Religionswissenschaftler, Erziehungswissenschaftler und ausgebildeter Seelsorger. Er ist in ­Forschung, Lehre und Praxis tätig und lebt in Bern. Seit Ende Mai 2026 ist er Mitglied des Vorstands der Vereinigung Freund*innen der Neuen Wege.