Abschied von Geneva Moser aus der Redaktions­leitung

Matthias Hui, Anne-Christine Halter, Vorstand «Freund*innen der Neuen Wege», 27. Februar 2026
Neue Wege 2.26

Mit dieser Nummer verabschieden wir unsere langjährige Kollegin Geneva Moser aus der Redaktionsleitung. Ihre Nachfolgerin Nada Sayed hat sich in Neue Wege 1.26 vorgestellt. Wir freuen uns derzeit über die gelingenden und inspirierenden Übergänge  so anspruchsvoll sie in unserem kleinen Kollektiv auch sind.

Im Sommer 2018 startete Geneva mit der Arbeit in der Redaktionsleitung. Den Namen ihrer persönlich-politischen Kolumne Gefühlsduselei lesen wir im Nachhinein als Anspruch auf eine queerfeministisch-philosophisch-theologische Horizonterweiterung bei den Neuen Wegen. Im Kampf für eine gerechtere und inklusivere Welt müssen wir Affekte und Emotionen als etwas Politisches begreifen. Und Gefühlsduselei verstanden wir deshalb immer auch als Ansage, dass Befindlichkeiten auch in der alltäglichen Redaktionsarbeit und in politischen Haltungen Platz haben und reflektiert werden sollen. Auf beiden Ebenen hat Geneva bei uns im Team und in der Redaktion viel erreicht.

Geneva war mit Leib und Seele Redaktorin der Neuen Wege. Die Zugehörigkeit zu dieser Zeitschrift, zur Tradition des religiösen Sozialismus und zu unserer kollektiven Arbeit in kleinen und grossen Netzwerken schien für sie  wie für andere von uns  etwas Existenzielles zu haben. So schreibt sie nun in diesem Heft in ihrer letzten von Dutzenden stets überraschenden und aufwühlenden Gefühlsduseleien: «Hier kann fundierte Religionskritik stattfinden, hier ist Religion keine rein innerlich-spirituelle Sache, hier sind […] Alternativen zum Kapitalismus keine Schreckgespenster. Und hier werden die alltäglichen Beziehungsbanden politisch verstanden und gelebt.» Immer wieder einmal sah Geneva unsere Arbeit in guter Tradition im Horizont des «Reiches Gottes».

Die Neuen Wege möchten mit jeder Ausgabe ein lebendiges Archiv von Zeichen der Zeit sein und zu reflektierter Wachsamkeit und Widerstand aufrufen. Geneva hat unsere Zeitschrift mit präzis formulierten Fragestellungen und vielen konkreten Schwerpunktthemen bereichert. Um nur ein paar wenige zu nennen: queer ­glauben, Ökotheologie, neue Lyrik, gschämig/Scham, Reproduktion und Gerechtigkeit, Tier/Befreiung/Theologie, widerständige Heilige. Zudem hat sie in den Neuen Wegen immer wieder Inspiration aus ihrem breiten Netzwerk einfliessen lassen und diesen und neuen Kreisen wiederum die Neuen Wege nähergebracht.

Geneva war in der über siebenjährigen Zeit der Zusammenarbeit bei gleichzeitig verbindlicher Kontinuität immer wieder für eine überraschende Wende gut. Nicht zu übertreffen: ihr Eintritt als Postulantin in die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Eibingen/D am Rhein  mit der allseits abgesprochenen und verheissungsvollen Option, dass fortan ein Teil der Redaktions­arbeit der Neuen Wege von einer Klosterzelle aus geleistet wird. Geneva tauchte voll in die Spiritualität der Gemeinschaft ein. Und doch: ein Jahr später ihr Austritt aus dem Kloster und ihre Rückkehr in die Schweiz  zusammen mit ihrer Mitschwester und heutigen Ehepartnerin …

Geneva hat an vielem mitgebaut, das die Neuen Wege weiter prägen wird. Nicht zuletzt gehört das Format Festival dazu  mit der ersten grossartigen Edition hope.fight.love 2024 in Zürich aus Anlass des 150. Geburtstags von Clara Ragaz, welche ursprünglich auf Genevas Idee und begeistertes Engagement zurückgeht. Wir freuen uns, dass Geneva die intensive Beschäftigung mit dieser Vordenkerin und Pionierin nun in einem Buchprojekt fortsetzt  kein schlechter Grund, die Redaktionsarbeit bei den Neuen Wegen zu beenden. Auch wenn wir natürlich wehmütig sind.

Geneva, wir danken dir für das gemeinsame Stück Weg, das uns alle geprägt hat. Die enge gegenseitige Begleitung in der Arbeit, im Alltag und durch die Weltenlage werden wir vermissen. In veränderten Rollen werden Freundschaften und Koopera­tionen jedoch fortdauern. Wir wünschen dir von Herzen alles Gute auf deinen Wegen!

Anne-Christine Halter und Matthias Hui, Leitung Neue Wege

______________________________

Geneva Moser ist für uns grundehrliche Gefühlsduselei, Frische und Freiheit. Ihre Texte sind Tango für Buchstaben und Bleisätze. Sie kratzen an der Kälte im euthanasierenden Europa. 
Geneva ist grosszügig, lebensgesättigt und doch luftig-leicht. Wer kann ihre fokussierten Fragen vernachlässigen, sie nicht vernehmen? Wie sollen wir sonst die dümmlichen Dramen der herrschenden Herren anders vors öffentliche Okulum zerren? Merci für die mehrheitlich meisterinnenhaften Meilensteine!
Wir sind dankbar und doch etwas desorientiert, dass es ohne sie weitergehen wird. Aber Geneva hat grossartig vorgemacht, wie es nicht verkehrt gehen kann. Sie hat neue Wege immer neu beschritten und so diese zeitkritische Zeitschrift empathisch embodied. Und so wird sie uns wohl weiter begleitend beraten als Teil des tollen Vereinsvorstands.
Dort und auch anderswo wünschen wir Geneva Glück von Gott*, Segen und Stärke, Liebe und Leichtigkeit.

Der Vorstand der Freund*innen der Neuen Wege

  • Matthias Hui,

    *1962, ist Co-Redaktionsleiter der Neuen Wege, Theologe und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Menschenrechtsinstitution SMRI.

  • Anne-Christine Halter,

    *1995, ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Neuen Wege, Religionswissenschaftlerin und ­SP-Politikerin in Bülach.

  • Vorstand «Freund*innen der Neuen Wege»,

    Die «Vereinigung der Freund*innen der Neuen Wege» ist für die Herausgabe der Zeitschrift besorgt. Sie ist als Verein konstituiert und wird vom Vorstand geleitet.