Ein Kulturzentrum in einer mittelgrossen Schweizer Stadt. An diesem Abend geht es um psychedelische Drogen. Die Referentin erzählt von einer indigenen Gemeinschaft in Kolumbien, die beschlossen habe, ihr Wissen mit den Weissen zu teilen. Tourist*innen dürfen nun gegen Bezahlung an mehrtägigen Zeremonien teilnehmen, an denen halluzinogene Pflanzen zum Einsatz kommen. Es handle sich nicht um das bekannte Ayahuasca, sagt die Referentin, sondern um eine verwandte, aber seltenere Droge. Die Gemeinschaft sei zum Schluss gekommen, dass die Weissen diese Droge auch nötig hätten, um sich selbst und die Erde zu heilen.
Der Vortrag kommt ethnologisch daher, klingt aber wie ein Werbespot. Er trifft die Sehnsucht vieler Europäer*innen perfekt: Die Reise nach Kolumbien verspricht indigenes Wissen, eine Begegnung mit Menschen, die «im Einklang mit der Natur» leben, und erst noch eine exklusive Droge. Das Publikum stellt kaum kritische Fragen – obwohl sie sich eigentlich aufdrängen, hier, in einem linken Kulturzentrum: Was hat diese Gemeinschaft genau beschlossen, und wer war am Entscheid beteiligt? Entstand er auch aus materieller Not? Was ist mit dem Macht- und Wohlstandsgefälle zwischen europäischen Tourist*innen und indigenen Kolumbianer*innen, was mit der viel diskutierten kulturellen Aneignung? Und im Ernst: die Erde heilen – nach einem Interkontinentalflug?
Manchen Linken fällt es leicht, das Thema als «esoterisch» abzustempeln – und gut ist. Doch das ist zu einfach. Trotz der problematischen Fragen, die sich an diesem Abend stellen: Die Sehnsucht dahinter ist relevant. Es ist eine Sehnsucht nach einem anderen Verhältnis zur Natur, der eigenen und der äusseren, nach einem unentfremdeten Zugang zur Welt, auch nach Erkenntnis. Sie drückt ein Unbehagen am Kapitalismus aus. Sie könnte ein politisches Potenzial haben.
Das instrumentelle Verhältnis zur Natur, das die westliche Gesellschaft seit dem Frühkapitalismus geprägt hat, ist gescheitert. Genauso gescheitert sind die Versuche mancher Umweltschützer*innen, die Natur in die kapitalistische Logik einzupassen, indem man ihr «einen Preis gibt». Man hat den Wert von «Ökosystemleistungen» berechnet und gehofft, die Wirtschaft werde freiwillig für die Naturgüter bezahlen, die sie gratis benutzt und verbraucht. Das musste scheitern, denn dieses Wirtschaftssystem lebt von Externalisierung.
Ein anderer Bezug zur Welt, der ihre Lebendigkeit respektiert und sie nicht auf eine Ansammlung von Ressourcen reduziert, ist dringend nötig. Das meinte Gerhard Traxel in seiner Predigt vor fünfzig Jahren: