Das Versprechen der Ordnung und die Politik der Fürsorge

Valentina Nerino, 22. April 2026
Neue Wege 3.26

Politische Debatten über Ge­sch­lecht, Migration und Religion werden zunehmend als Kampf zwischen Ordnung und Chaos inszeniert. Die Sprache variiert von Land zu Land, doch das Versprechen ist bemerkenswert einheitlich: Es geht darum, Klar­heit, Sinn und Ordnung wieder­herzustellen. Dabei treffen rechte und religiöse Bewegungen oft zusammen.

In der Schweiz wie anderswo sprechen rechtsextreme Akteur*innen von «Genderterror» und von bedrohten «europäischen Werten». Auf den ersten Blick scheinen dies «Kulturkämpfe» zu sein. Forschungen im Rahmen des Horizon-Europe-Programms Feminismen für ein neues Zeitalter der Demokratie1 deuten darauf hin, dass mehr und Komplexeres auf dem Spiel steht.

Die Wechselwirkungen zwischen Anti-Gender-­Kampagnen, rechtsextremen Bewegungen und religiösen Netzwerken in Europa untersuchten fünf im Rahmen dieses Programms geförderte Schwesterprojekte  darunter UNTWIST und RESIST, die beide die Schweiz als Fallbeispiel einbezogen. Sie konzentrierten sich auf unterschiedliche nationale Kontexte und verschiedene Facetten der Gegenreaktion gegen Geschlechtergleichstellung und Feminismus. Aber ihre Ergebnisse zeigten ein gemeinsames Muster, das den transnationalen Widerstand gegen transfeministische Akteur*innen und Erscheinungsformen kennzeichnet. Im Kern steht eine wirkmächtige moralische Erzählung: Liberale Demokratien seien in Unordnung geraten, und nur die Rückkehr zu «natürlicher» Ordnung und «zivilisatorischen» Werten könne die Kontrolle wiederherstellen. Besonders interessant ist, dass diese Erzählung den Wunsch nach Kontrolle in Gesellschaften widerspiegelt, die von Unsicherheit, Prekarität und rasantem Wandel geprägt sind  ein Gefühl, das in Gesprächen mit Bürger*innen im Rahmen der Projekte immer wieder zum Vorschein kam. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und sozialer Komplexität wirken Erzählungen über «natürliche» Ordnung  zu der auch eine «moralische» Männlichkeit gehört, die den gesellschaftlichen Frieden schützt  verlockend, da sie ein Gefühl von Klarheit und Stabilität vermitteln. Doch dies hat seinen Preis: Gewalt wird rassifiziert, Geschlechterrollen werden erneut biologisiert, und Hierarchien zwischen Menschengruppen werden (wieder-)hergestellt. Die Ergebnisse der Forschungsprojekte zeigen, dass diese Narrative kein Randphänomen sind. Sie sind europaweit verbreitet, institutionalisiert und politisch folgenreich. Hinter ihrer Anziehungskraft verbirgt sich eine tiefere Krise materieller Unsicherheit und demokratischer Entfremdung  eine Krise, die eine gerechtigkeitsorientierte Antwort erfordert.

Zivilisatorische DNA

Diese Narrative bleiben nicht auf der Ebene abstrakter Ideen; sie kristallisieren sich im politischen Diskurs heraus. Ein bezeichnendes Beispiel dafür ist das, was die britische Soziologin Sara Farris Femonationalismus nennt: die selektive Aneignung feministischer Sprache zur Rechtfertigung nationalistischer, migrant*innenfeindlicher und islamfeindlicher Positionen ist ein zentrales Problem. Vergleichende Studienergebnisse zeigen, dass Geschlechterungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt in den Medien und im parlamentarischen Diskurs überproportional häufig mit muslimischen Minderheiten in Verbindung gebracht werden  und zwar nicht nur von rechtsextremen Parteien. In der Schweiz haben Mitglieder der SVP und, in geringerem Masse, Vertreter*innen der politischen Mitte häusliche Gewalt öffentlich mit muslimischen Gemeinschaften verknüpft. Aussagen, die Gewalt gegen Frauen als «importiert» und von «nicht integrierten» Männern aus «arabischen oder afrikanischen Ländern» verübt beschreiben, spiegeln ein breiteres europäisches Narrativ wider. Muslimische Männer werden als von Natur aus sexistisch, muslimische Frauen als passive Opfer und «westliche» Gesellschaften als bereits emanzipiert und egalitär dargestellt. Dieser rhetorische Schachzug erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Er externalisiert das Patriarchat und verlagert geschlechtsspezifische Gewalt aus der nationalen Gemeinschaft heraus. Er bekräftigt eine moralische Hierarchie, in der das «jüdisch-christliche» Europa für Freiheit und Gleichheit steht. Und es stilisiert weisse europäische Männlichkeit zum Beschützer  statt zum Unterdrücker  der Frauenrechte. Solche Darstellungen greifen auf tief verwurzelte, langjährige koloniale Logiken zurück, die rassifizierte Männer als hypersexuell und gewalttätig konstruieren und rassifizierten Frauen die weisser Weiblichkeit zugeschriebene Zerbrechlichkeit abspricht. In diesem Kontext wird die Verteidigung der Frauenrechte untrennbar mit der Verteidigung nationaler und «zivilisatorischer» Grenzen verknüpft, wodurch Geschlechtergerechtigkeit von einer strukturellen Forderung zu einem «zivilisatorischen» Statussymbol wird.

Doch der Schutz, den diese imaginierte «Zivilisation» bietet, hat klare Grenzen. Alles, was binäre, essenzialistische Geschlechtervorstellungen infrage stellt  insbesondere Ansprüche auf Anerkennung jenseits der Kategorien Mann/Frau  wird als Bedrohung ihrer moralischen Grundlage dargestellt. Dies ist ein weiteres durchgängiges Ergebnis der Forschungsprojekte: Sie dokumentieren eine erneute Biologisierung von Geschlecht in verschiedenen europäischen Kontexten und zeigen, wie nichtbinäre und transfeministische Forderungen als destabilisierend für genau jene Werte dargestellt werden, die Europa angeblich verkörpert.

In diesen Narrativen werden Europas demo­kratische Errungenschaften erneut als in einem «jüdisch-christlichen Erbe» verwurzelt imaginiert, wobei Säkularismus nicht einen Bruch mit der Religion, sondern deren Verinnerlichung markiert: Europäische Werte werden als «zivilisatorische DNA» verstanden. Infragestellungen binärer Geschlechterrollen oder Forderungen nach Anerkennung jenseits der Kategorien Mann/Frau werden daher nicht einfach als politische Meinungsverschiedenheiten, sondern als Angriffe auf dieses überlieferte moralische Fundament dargestellt. Die Ergebnisse zeigen auch, wie organisierte Religionen  insbesondere die katholische Kirche und evangelikale Gruppen  eine zentrale Rolle bei der Verbreitung dieser Narrative spielen. Dies nicht nur, weil sie sich besonders lautstark in Anti-Gender-Kampagnen engagieren, die binäre, heterosexuelle und auf Naturrecht beruhende Gesellschaftsvorstellungen propagieren, sondern auch, weil sie als politische Institutionen mit moralischer und politischer Autorität agieren.

Analysen von Parlamentsdebatten zeigen, wie häufig konservative  aber nicht nur konservative  Abgeordnete in ihren geschlechterfeindlichen Narrativen eine ähnliche Logik anwenden. Sie verbinden diese oft mit einem wissenschaftlich-bürokratischen Sprachgebrauch. Diese Politiker*innen stellen das biologische Geschlecht üblicherweise als feste Kategorie dar, die der «sozialen Identifikation»  und damit der Ordnung  dient. Den Begriff «Gender» (nicht immer, aber häufig in Englisch) verwenden sie hingegen, um feministische und queere Forschung als unwissenschaftliche Abweichung von «natürlichen Tatsachen» zu delegitimieren. Im Einklang mit dieser Rhetorik von «Wissenschaft und Natur» wird medizinische und psychiatrische Terminologie routinemässig in Debatten über Rechte von trans Menschen herangezogen. Geschlechtsangleichende Behandlungen werden nicht nur als Gefahr für Minderjährige, sondern als Bedrohung der «natürlichen» Ordnung dargestellt, die diese angeblichen europäischen Werte zu schützen vorgeben.

Die Forschungsergebnisse zeigen jedoch auch, dass sich die Mobilisierung gegen Geschlechtergerechtigkeit nicht allein auf eine kulturelle Gegenreaktion reduzieren lässt. Sie ist eng mit dem materiellen Druck und den Verwerfungen des gegenwärtigen Kapitalismus verknüpft. Besonders aufschlussreich sind hierfür die Ergebnisse einer Reihe von Fokusgruppen in der Schweiz mit Wähler*innen, die sich kürzlich rechtspopulistischen Parteien zugewandt haben. Ihre Sorgen kreisen nicht um den Verlust männlicher Privilegien oder die Bedrohung durch feministische Errungenschaften. Vielmehr stellen sie wirtschaftlichen Druck, sinkende soziale Mobilität und die Befürchtung, dass es künftigen Generationen schlechter gehen wird, als ihre Hauptsorgen in den Vordergrund. Der Spätkapitalismus wird explizit als Problem benannt. Die Teilnehmer*innen beschreiben steigende Preise, die Unsicherheit der Altersvorsorge und den Verlust des Gemeinschaftsgefühls. Sie stellen eine Vergangenheit, in der Arbeitgeber*innen von persönlicher Verantwortung und sozialen Werten geleitet wurden, einer Gegenwart gegenüber, die von anonymen Finanzmärkten und hyperflexiblen Arbeitsmodellen geprägt ist. Sie äussern Wut über die wachsende Ungleichheit und sind frustriert über die politischen Akteur*innen, die scheinbar keine Lösungen anbieten können. Damit formulieren sie eine Kritik an der neoliberalen Umstrukturierung, die prekäre Arbeitsbedingungen, einen geschwächten Sozialstaat und einen verschärften Wettbewerb zur Folge hatte.

Ein emotionaler Anker

Interessant und wichtig ist die Beobachtung, dass diese Kritik nicht in Unterstützung für umverteilende, transformative und/oder linke Alternativen mündet. Selbst wenn die Teilnehmenden erkennen, dass neoliberale Reformen die prekäre Lage verschärft haben, betrachten sie feministische oder sozialistische Politik nicht als glaubwürdige Lösungsansätze. Stattdessen greifen sie auf Narrative von Disziplin, Respekt, Selbstverantwortung und nationaler Zugehörigkeit zurück, die sie als praktikable Antworten auf ihre Notlage sehen.

Diese Werte  implizit als männlich konnotiert  basieren auf einem hierarchischen Verständnis des sozialen Lebens, in dem Ordnung, Autorität und Eigenverantwortung als Grundlage von Stabilität gelten. Entscheidend ist, dass diese Weltsicht den Zugang zu Ressourcen und die soziale Teilhabe von der Fähigkeit abhängig macht, diese Eigenschaften  Disziplin, Respekt, Selbstverantwortung  zu verkörpern. In diesem Sinne sind die Machtdynamiken, die durch diese Narrative normalisiert werden, dieselben, die seit Langem die neoliberale Regierungsführung untermauern: ein System, das individuelle Verantwortung hochhält, Ungleichheit moralisch legitimiert und auf (geschlechtsspezifische) Erwartungen an Selbstgenügsamkeit setzt, um die sozialen Kosten von Sparmassnahmen und der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes aufzufangen.

Die Ergebnisse der Fokusgruppen machten deutlich, dass das von den Teilnehmenden beschriebene Krisen- und Unsicherheitsgefühl auch mit dem Zugang zu Wissen zu tun hat. Rasante Digitalisierung, Bürokratisierung und Globalisierung werden als überwältigend komplex erlebt. Die Teilnehmenden beschreiben sich desorientiert durch Regeln, die sie nicht verstehen, und durch Entscheidungen, die ihnen scheinbar von aussen auferlegt werden, insbesondere von der EU. Migration wird zu einem bequemen Ventil für diese Unzufriedenheit: Die Regulierung der Grenzen verspricht einen Weg, «das Ruder herumzureissen» und die Komplexität zu reduzieren, selbst wenn materielle Probleme ungelöst bleiben.

In diesem Kontext fungiert das rechtsex­treme Ordnungsversprechen weniger als detailliertes Programm denn als emotionaler Anker. Es schafft Kohärenz, wo neoliberale Gesellschaften eine Dissonanz zwischen ihren Narrativen und ihrer Realität erzeugt haben: Wo Leistungsprinzip und Freiheit Kontrolle über das eigene Schicksal versprechen, führen prekäre Arbeitsmärkte und schrumpfende Sozialstaaten zu Unsicherheit und individueller Verantwortung. Die Kluft zwischen Versprechen und Erfahrung erzeugt Frustration. Autoritäre und geschlechterfeindliche Akteur*innen füllen diese Lücke mit einer Erzählung, die das Chaos erklärt und seine Ursachen im Feminismus, in der Migration und in den globalen Eliten verortet. Das Ergebnis ist jedoch nicht einfach der Ruf nach strengeren Grenzen oder traditionellen Familien. Es ist die Sehnsucht nach innerer Kontrolle  nach einer stabilen Identität in einer Welt sich wandelnder Normen. Was Forscher*innen beobachtet haben, ist tatsächlich ein binäres Bild: Eine (teilweise) idealisierte Vergangenheit wird mit Disziplin, Rationalität und klaren Rollen assoziiert, während die Gegenwart als entgleist, verworren und stark emotionalisiert beschrieben wird.

Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Versprechen von Ordnung auf zwei Ebenen wirkt. Extern fordert es stärkere Grenzen, klarere Gesetze und natürliche Hierarchien. Intern verspricht es psychologische Erleichterung: einen Weg, Komplexität zu verstehen, ohne die strukturellen wirtschaftlichen und machtpolitischen Widersprüche im Herzen kapitalistischer, patriarchalischer Gesellschaften direkt anzugehen und zu dekonstruieren.

Die Illusion der Einfachheit

Die Frage lautet daher: Gibt es einen Ausweg aus dieser Dynamik? Die Ergebnisse dieser Projekte legen nahe, dass es einen gibt, doch liegt dieser nicht in einer nostalgischen Rückkehr zum liberalen Status quo. Im Gegenteil, die Erkenntnisse deuten auf die Notwendigkeit einer tiefgreifenderen Transformation hin, die sowohl materielle als auch diskursive Dimensionen gleichermassen berücksichtigt. Auf materieller Ebene müssen wirtschaftliche Unsicherheit, systemische Ungleichheiten und die abnehmende soziale Mobilität ernst genommen werden. Neoliberale Regierungsführung hat die Verantwortung individualisiert und gleichzeitig kollektive Schutzmechanismen untergraben. Wie die US-amerikanische feministische Philosophin Nancy Fraser argumentiert, hat sich der liberale Feminismus überdies mit meritokratischen Narrativen verstrickt, die den Fokus auf die Förderung einzelner Frauen anstatt auf die strukturelle Umverteilung von Macht und Ressourcen legen. Diese Ausrichtung hat die Verbindung zwischen Geschlechtergerechtigkeit und Gerechtigkeit in Bezug auf Klasse, race und Behinderung geschwächt und reaktionären Akteur*innen Raum gegeben, sich als Verteidiger der «normalen Bevölkerung» zu inszenieren.

Der Wiederaufbau der sozialen Infrastruktur, die Stärkung des Schutzes der Arbeitnehmenden und die Wiedereinbettung der Märkte in die demokratische Kontrolle sind nicht zweitrangig gegenüber der Geschlechtergleichstellung; sie sind vielmehr deren Voraussetzungen. Ohne die Klassenungleichheiten und den Zusammenbruch der Wohlfahrtsstaaten anzugehen, laufen Appelle an die Vielfalt Gefahr, abstrakt oder elitär zu klingen.

Gleichzeitig ist ein diskursives Eingreifen unerlässlich. Anti-Gender-Bewegungen haben ausgrenzende Interpretationen von Demokratie und Menschenrechten normalisiert. Sie stellen Diversität als Abweichung und Gleichheit als ideologische Übertreibung dar und missbrauchen häufig die Sprache der Freiheit, zum Beispiel Meinungsfreiheit, um restriktive Massnahmen zu rechtfertigen. Die feministische Ethik bietet einen alternativen Rahmen. Anstatt Demokratie auf Hierarchie und naturalisierten Dualismen zu gründen, stellt sie Fürsorge, also Care-Politik, Solidarität und gegenseitige Abhängigkeit in den Mittelpunkt. Sie betont, dass Gerechtigkeit und strukturelle Ungleichheiten  aufgrund von Geschlecht, Klasse, race, Herkunft, Religion, Behinderung oder Sexualität  unvereinbar sind. Intersektionalität ist kein akademisches Zusatzkonzept, sondern die praktische Erkenntnis, dass sich diese Ungleichheitsachsen gegenseitig verstärken.

Entscheidend ist, dass ein solcher Ansatz materielle und symbolische Dimensionen integriert. Umverteilung ohne eine Veränderung der Narrative lässt die Hierarchien bestehen, die manche Leben als weniger betrauerbar oder weniger wertvoll erscheinen lassen. Veränderung der Narrative ohne materielle Reform birgt die Gefahr, genau jene Dissonanz zu verstärken, die den Groll nährt. Fürsorge, Solidarität und soziale Teilhabe müssen Politik und öffentliche Debatte gleichermassen prägen. Das rechtsextreme Versprechen von Ordnung reagiert auf ein reales Gefühl der Unsicherheit und Ungleichheit. Es bietet jedoch eine vereinfachte Diagnose und eine selektive Lösung. Indem es Gewalt rassistisch brandmarkt, Geschlecht neu definiert und nationale Identität moralisiert, gibt es einigen ein Gefühl der Selbstbestimmung zurück  auf Kosten der Rechte und der Würde anderer.

Die Forschungsergebnisse aus den Projekten des Horizon-Europe-Programms über geschlechterfeindliche Bedrohungen und feministischen Widerstand legen nahe, dass die eigentliche Herausforderung nicht darin besteht, Komplexität um ihrer selbst willen zu verteidigen oder sich in idealisierte Vergangenheiten zurückzuversetzen. Vielmehr geht es darum, Formen der Demokratie zu entwickeln, die Komplexität bewältigen können, ohne die Gerechtigkeit aufzugeben  Formen, die Verletzlichkeit als universell und nicht als Zeichen von Schwäche anerkennen; die Fürsorge als politisch und nicht als privat betrachten; und die Teilhabe erweitern, anstatt Zugehörigkeit einzuschränken. Ordnung darf in diesem Sinne nicht die Wiedereinführung starrer Hierarchien bedeuten. Sie muss die Schaffung sozialer Bedingungen bedeuten, in denen Freiheit mehr als ein Versprechen ist und die Kontrolle über das eigene Leben kein Null­summen-Privileg darstellt. Nur indem die strukturellen Ursachen von Ungleichheit  in Bezug auf Geschlecht, Klasse, Religion, ethnische Zugehörigkeit und Behinderung  angegangen werden, können Demokratien die Illusion der Einfachheit überwinden und eine inklusivere und resilientere Zukunft gestalten.

  1. Feminismen für ein neues Zeitalter der Demokratie ist ein Programm von Horizon Europe, das Forschung darüber fördert, wie feministische Theorien, Prak­tiken und Bewegungen das demokratische Leben in Europa erneuern können. Es reagiert auf zwei parallele Entwicklungen: die Wiederbelebung feministischer Politik und den Aufstieg geschlechterfeindlicher und antifeministischer Gegenreaktionen. Im Rahmen ­dieses Programms wurden fünf Schwesterprojekte gefördert: UNTWIST, RESIST, Push*Back*LASH, CCINDLE und FIERCE.

  • Valentina Nerino,

    *1992, ist Postdoktorandin am ­Interdisziplinären Zentrum für Gender Studies (IZFG) der Universität Bern. Sie untersucht die Verflech­tungen zwischen Gender, Feminismus und rechts­extremer Politik und stützt sich dabei auf politische ­Soziologie, Gender Studies und Kommunikationsforschung. Derzeit arbeitet sie am Horizon-Europe-Projekt UNTWIST.